Oma im Kaufrausch
„Oh, und was ist das Schönes?“, rief Frau Butterbäcker, als sie mit ausgestrecktem Arm quer durch den Laden wies und gleich in dieselbe Richtung loslief. In wenigen Wochen sollte sie zum ersten Mal Oma werden und hatte sich auf das Bitten ihres Sohnes hin bis jetzt zusammengerissen und noch nichts gekauft. An diesem Tag aber war es so weit. Sie konnte ihren Nestbau-Trieb, der schon eine ganze Weile in ihren Fingern kribbelte, nicht mehr im Zaum halten.
„Das ist eine unserer schönsten Wickelkommoden“, erklärte die Verkäuferin, während sie Frau Butterbäcker hinterhereilte. „Sehen Sie, hier haben Sie genügend Platz für Windeln und Pflegeutensilien, alles griffbereit, und dazu ein großes Wickelbrett. Darunter die geräumigen Schubladen für all die niedlichen Strampelanzüge.“
Die Verkäuferin lächelte zuckersüß.
„Haben Sie denn auch so ein Musikdingsbums?“, fragte Frau Butterbäcker. „Zum Einschlafen?“
„Selbstverständlich. Wir haben wunderbare Spieluhren“, bestätigte die Verkäuferin. „Hier vorn sehen Sie unser Sortiment. Und zu jeder Spieluhr gibt es auch die passende Serie mit Kapuzenhandtüchern und Bettwäsche und dazu noch diese entzückenden kleinen Teppiche. Sehen Sie nur diese wunderschönen, passenden Farben.“ Die Verkäuferin freute sich sichtlich über ihr eigenes Verkaufsgenie.
Frau Butterbäcker fühlte sich ertappt. „Hm, dann brauchen wir ja nur noch das passende Baby dazu“, stellte sie fest und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Trotzdem kaufte sie beinahe von allem, was sie gesehen hatte: Wickelkommode und Bett, zwei Kuscheltiere und mindestens fünf Strampelanzüge, eine Nachtlampe und noch so dies und das. So kam sie mit einem vollbeladenen Wagen zu Hause an. Herr Butterbäcker öffnete ihr lachend die Tür.
„Na, das trifft sich ja. Weißt du, was ich heute Morgen gemacht habe?“, fragte er.
„Nein, keine Ahnung. Aber sieh nur, was ich alles Schönes habe“, fing Frau Butterbäcker an. Doch da lachte ihr Mann nur noch mehr.
„Was ist denn los?“, wollte Frau Butterbäcker wissen.
„Ach, ich war heute Morgen auch einkaufen – Babybett, Kinderwagen und so Schnickschnack – und hab alles gleich zu den Kindern gebracht“, erzählte er.
Ein leises „Oh“ rutschte über Frau Butterbäckers Lippen.
„Und dann, als ich auspacken wollte, hat Martin mir erstmal gezeigt, was er und Kathrin bereits alles haben. Die haben ihrem Nestbau-Trieb schon letzte Woche nachgegeben – und sind für mindestens zwei Babys gerüstet.“
Und so fuhr Frau Butterbäcker dennoch selig strahlend mit ihrem Mann zum Umtauschen.
