Benjamin und der Bär
Eines schönen Tages, als der Wind sacht die Vorhänge streifte und die Sonne durch das kleine Fenster schien, wachte Benjamin aus seinem Mittagsschlaf auf und hörte eine unbekannte Stimme. Sie klang etwas brummig, wie die von Opa. Benjamin schaute sich suchend um.
Da brummte es schon wieder, ganz nah. Und tatsächlich: Es kam von Benjamins neuem Teddybären. Der saß am Fußende des rot lackierten Betts und schaute zufrieden vor sich hin. Benjamin wollte nach dem Bären greifen, doch der rief laut und brummig: „He! Was soll das?“
Der Teddybär schaute Benjamin genau an. Benjamin schaute mit großen Augen zurück. Ein sprechendes Stofftier hatte er noch nie gehabt. Er traute sich nicht, auch nur einen Laut von sich zu geben. Der Bär aber sprach weiter: „Hm, naja, schön hast du es hier. Lass mal sehen.“ Der Bär schaute durch das ganze Zimmer. „Ist das deine Bärenhöhle?“, fragte er.
Benjamin nickte.
„Oh, dein Fußboden hat ja auch ein Fell“, staunte der Bär und schaute auf den Teppich. „Und das ist ein schönes Bild dort an der Wand“, sagte er lächelnd und zeigte mit seiner Tatze auf das Foto von Benjamin in seinem honigfarbenen Strampelanzug mit einem Bärengesicht vorn drauf.
„He, ich brauche noch einen Namen“, sagte der Bär unvermittelt. Benjamin hatte ihn erst heute Morgen von Oma bekommen.
„Bert würde mir gefallen“, erklärte der Bär und Benjamin nickte. „Und was ist das?“, fragte der Bär und sprang mit einem Satz aus dem Bett auf die Wickelkommode. Dabei stieß er das Babyphon um, das laut krachend zu Boden fiel. Benjamin erschrak und weinte. Der Bär aber sprang blitzschnell zurück ins Bett und saß fast wieder am gleichen Fleck wie zuvor, als Benjamins Mutter zur Tür hereinkam.
„Oh, Benjamin“, sagte sie mit ihrer sanften Stimme. „Ist doch alles gut, ich bin ja hier.“ Sie nahm ihn auf den Arm und strich ihm über sein kleines Köpfchen. Benjamin hörte auf zu schluchzen. Nur eine Träne kullerte still über sein Gesicht. „Guck mal, dein neuer Freund passt doch auf dich auf“, sagte Benjamins Mutter und gab ihrem kleinen Sohn den Teddybären zu fassen.
Benjamin griff den Bären am Arm und sah ihn an. Der Bär bewegte sich nicht mehr und war ganz still. Benjamin auch. „Bert“, sagte Benjamin und es klang wie „Bär“. „Mein Freund“, sollte das heißen.
Und nur wer ganz genau hinschaute, konnte das Lächeln auf dem Bärengesicht erkennen. Benjamin sah es und drückte Bert etwas fester. Und von da an waren die beiden unzertrennlich.
